KSA Institut für Klinische Seelsorgeausbildung Heidelberg

Der erste 14-Tage-Kursteil

Alle Prozesse, die im 6-Wochen-Teil begonnen wurden, besonders das Wahrnehmenlernen, werden weitergeführt, jetzt jedoch auf die Praxis der KursteilnehmerInnen in ihren eigenen Kliniken bezogen, unter Nutzung der Erfahrungen der TeilnehmerInnen in ihrem Heidelberger Praxisfeld.
Für die Analyse ihrer Erfahrungen und Situationen in ihrem Praxisfeld vor Ort wählen die TeilnehmerInnen ein Schwerpunktkrankenhaus bzw. eine Schwerpunktstation aus.

Die TeilnehmerInnen wurden am Ende des 6-Wochen-Kursteils aufgefordert, möglichst in Kontakt mit dem Verwaltungsdirektor der eigenen Klinik folgende Details zu ihrem ausgewählten Schwerpunkt zu erarbeiten:

  • die Geschichte ihres Krankenhauses,
  • den ursprünglichen Stifterwillen,
  • wo die Klinik in der Krankenhauslandschaft steht,
  • welche Fusionierungen und Schwerpunktbildungen von Seiten des Krankenhauses bereits vollzogen wurden oder anstehen,
  • welche eigenen Schwerpunktsetzungen der Krankenhausseelsorge sie in ihrem Praxisfeld anstreben.


In diesem 14-Tage-Teil stellt jede/jeder in der ersten Woche die Besonderheiten des eigenen Krankenhauses vor. Nachdem im 6-Wochen-Teil ein Prozess begann, in dem die einzelnen TeilnehmerInnen sowohl mit der eigenen Krankheitsbiographie und den eigenen Besonderheiten in Verbindung gebracht wurden, als auch mit den Kranken, die die einzelnen TeilnehmerInnen besucht hatten und die in der Kursgruppe besprochen wurden, werden die einzelnen KursteilnehmerInnen nun in der gegenseitigen Wahrnehmung im Kurs auch mit ihren jeweiligen Kliniken in Verbindung gebracht. Und es wird so miteinander über Möglichkeiten und Perspektiven der eigenen Krankenhausseelsorge vor Ort mit ihren unterschiedlichen AdressatInnen und ihren vorgegebenen, aber auch ihren selbstbestimmten und noch selbst zu bestimmenden Aufgaben in einem kreativen Prozess nachgedacht.

Nach der Vorstellung der Krankenhäuser geht es in diesem Kursteil nun darum, exemplarisch einen Patienten/eine Patientin in diesem Feld kennenzulernen. Es wird jeweils ein erstes Gesprächsprotokoll aus den ausgewählten Schwerpunktfeldern der TeilnehmerInnen analysiert.

Nachdem die einzelnen KursteilnehmerInnen im 6-Wochen-Kursteil Grundlagen für ihr kontextuell-theologisches Krankenhausseelsorge-Konzept erarbeitet haben, beginnen sie nun damit, ihre eigenen kontextuellen Krankenhauseelsorge-Konzepte konkret für ihre jeweiligen Schwerpunkte zu entwickeln. Sie beginnen damit, einen Flyer für die eigene Krankenhausseelsorge dieses Schwerpunkts zu entwerfen, der sowohl von den PatientInnen gelesen werden könnte als auch von den TherapeutInnen im Sinne einer Profilierung und Transparenz der Arbeit als KrankenhausseelsorgerIn. Die Arbeit an dem Flyer dient auf der einen Seite dazu, die TeilnehmerInnen in ihrem eigenen Gestaltungswillen zu stärken. Auf der anderen Seite kommt nun auch das eigene Seelsorgeteam in den Blick. (Dies kann das Krankenhausseelsorge-Team sein, oft aber auch, wenn die KursteilnehmerInnen ein Teildeputat für Krankenhausseelsorge haben, zusätzlich das Seelsorgeteam einer Gemeinde.)

Wenn die TeilnehmerInnen diesen scheinbar so kurzen Text formulieren, immer wieder überarbeiten, dafür um Wörter ringen, die Kritik der anderen TeilnehmerInnen aufzunehmen versuchen, erfahren sie, wie schwer es ist, das eigene Konzept konkret, präzise und verständlich zu formulieren, vor allem wie schwer es ist, es auf die Erfahrungen und Erwartungen von Kranken, die den Text lesen könnten, zu beziehen, und wie konfliktreich es ist, auf eine solche Weise sich als KrankenhausseelsorgerIn sichtbar zu machen gegenüber PatientInnen, Angehörigen, den verschiedenen therapeutischen Diensten, den VerwaltungsdirektorInnen, den kirchlichen Behörden, den KollegInnen vor Ort.

Die KursteilnehmerInnen ahnen Konflikte auf sich zukommen – oder wissen dies bereits –, wenn sie die im Flyer formulierte Krankenhausseelsorge gegenüber ihren Seelsorgeteams vertreten sollen. Gerade deshalb ist es so wichtig, den eigenen Entwurf zu formulieren, ohne Rücksicht auf die Vermittelbarkeit gegenüber bzw. auf Kompromisse mit dem eigenen Team. Im Kurs denken die TeilnehmerInnen darüber nach, welche Stützstrukturen sie zum Erhalt der eigenen Qualitätsstandards brauchen und in welcher Form sie solche aufbauen können (z. B. interdisziplinäre Teams oder regelmäßige Gespräche mit einzelnen VertreterInnen anderer Fachgruppen). Viele TeilnehmerInnen betonen die überraschende Erfahrung, daß bereits diese Gedanken und Planungen stärken und jene Seelsorgeteams, die sie in ihrem Bemühen um eigene Qualitätsstandards blockieren könnten, an Macht verlieren.

Die Theorieeinheiten unterstützen diesen Prozess des Flyerschreibens und helfen bei weiter gehenden Fragen, welche kontextuelle Theologie für dieses spezielle Praxisfeld von Nöten ist bzw. welche theologischen Fragen in diesem speziellen Praxisfeld entstehen. Ihre Themen ergeben sich aus den Notwendigkeiten der TeilnehmerInnen.