KSA Institut für Klinische Seelsorgeausbildung Heidelberg

Der zweite 14-Tage-Kursteil

In diesem Kursteil geht es speziell um die seelsorgliche Begleitung von Sterbenden und um die Seelsorge mit Toten und ihren Angehörigen. Damit wird nicht der Verlauf des Kurses durch ein neu gesetztes Thema unterbrochen, sondern der bisherige Lernprozess intensiviert. Gerade in Situationen der Sterbebegleitung und der Seelsorge mit Toten wird die Komplexität und zunehmende Kompliziertheit von Krankenhausseelsorge deutlich, und umgekehrt richten sich, teilweise auch durch die Entwicklung der Palliativmedizin und durch öffentliche Diskussionen über die Bedingungen, unter denen Menschen sterben, sehr hohe, manchmal auch sehr festlegende Erwartungen an die Krankenhausseelsorge, wenn es um die Sterbebegleitung geht.

So werden die Aufgaben der Krankenhausseelsorge vielfältiger, spannungsvoller, setzen zusätzliche Qualifikationen voraus: Unterstützung der PatientInnen bei der Suche nach ihrem eigenen Sterbeweg (in Zusammenarbeit mit dem therapeutischen Team, aber manchmal auch im Widerstand gegen das therapeutische Team); den Beitrag der Krankenhausseelsorge bei dieser Suche nach den eigenen Sterbewegen der PatientInnen in den interdisziplinären Teams (nicht nur den Palliative Care Teams) transparent machen; Aufbau von Brückenseelsorge (aufgrund der kurzen Verweildauer selbst auf den Palliativstationen) zwischen Krankenhaus, Hospiz, Altenheim und ambulanter Seelsorge zuhause.

In diesem Kursteil werden die Lernfäden aus dem ersten und zweiten Kursteil wiederaufgenommen und weitergesponnen:

Das Wahrnehmenlernen bezieht sich jetzt schwerpunktmäßig auf die Suche nach den eigenen Sterbewegen der PatientInnen als Subjekten ihres eigenen Lebens und Sterbens.

Die Analyse der unterschiedlichen Kontexte der Krankenhausseelsorge bezieht sich nun auch auf die Frage: Wie wird auf dieser Station gestorben? Wird vielleicht angeblich auf dieser Station (z. B. in einer Rehabilitationsklinik) nicht gestorben? In welchen Räumen wird gestorben? In welchen Räumen sind die Angehörigen bei den Verstorbenen? Wo und wie lange sind die verstorbenen PatientInnen in dieser Klinik? Je nach den Wünschen der TeilnehmerInnen besuchen wir Totenräume bzw. die TeilnehmerInnen bringen Fotos der Abschiedsräume und der Totenräume ihrer Kliniken mit.

Palliativmedizin und Schmerztherapie sind in jedem Kurs ein Thema. Meist wünschen die TeilnehmerInnen explizit, über das Thema „Krankenhausseelsorge auf Palliativstationen“ zu arbeiten.

Die Einrichtung von Palliativstationen in immer mehr Krankenhäusern scheint Kliniken, Medizin, Therapie, Pflege und die Lebensbedingungen von Kranken und Sterbenden im Krankenhaus zu verändern. In Kliniken, in denen eine Palliativstation eingerichtet ist, arbeitet Krankenhausseelsorge in der Spannung von Palliativstation und den anderen Stationen des Krankenhauses. Entsteht ein Gefälle zwischen der „privilegierten Sterbezeit“ auf der Palliativstation und dem Sterben auf den anderen Stationen? Wie finden die Erfahrungen in der Sterbebegleitung, die auf den anderen Stationen erarbeitet wurden (und weiter erarbeitet werden), Anerkennung und Wirkung?

Wie entsteht eine Kultur der Erinnerung verstorbener PatientInnen auf einer Station? Werden die PatientInnen zum Beispiel gefragt: Wie möchten Sie erinnert werden? Arbeiten die KlinikseelsorgerInnen im Gedächtnis der PatientInnen, die sie begleitet haben?

Zu diesem Kursteil bringen die TeilnehmerInnen aus ihren Praxisfeldern Gesprächsprotokolle speziell zum Thema Sterbebegleitung und Seelsorge mit Verstorbenen mit.